Greenpeace Leipzig: „Zum Kennlernabend? Bitte hier herein!“

Greenpeace_Freaks

© Greenpeace/Ex-Press/Wuertenberg

Bis vor einiger Zeit fand ich Greenpeace irgendwie langweilig. Grüner Friede, gähn. Aber dann sprach mich so ein Direct Dialoger in der Leipziger-Innenstadt-Fußgängerzone an und da ich mich an dem Tag irgendwie so grün und friedlich fühlte, schloss ich eine Greenpeace-Fördermitgliedschaft ab. Nur über die jährliche Spendenhöhe musste ich verhandeln. Danach fiel mir ein, dass ich ja schon beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Mitglied bin und ich beschloss, dass man ja seine Umweltorganisation alle paar Jahre mal wechseln kann, so wie den Internetanbieter oder das Lieblingstshirt. Machen nicht eh alle Öko-Vereine ungefähr das Gleiche? Hm, nicht ganz, denn es gibt Unterschiede zwischen Umweltschutz und Naturschutz.

Während Naturschutz sich auf die natürliche Wiederherstellung dieser Erde bezieht, beispielsweise durch Artenschutz von Tieren und Pflanzen, ist der Umweltschutz noch umfassender und fokussiert sich auf die Einflussnahme des Menschen auf Boden, Wasser, Luft und Klima. Auch wenn der Naturschutz ein Teil des Umweltschutzes ist, können diese Bereiche unter Umständen sogar im Widerspruch zueinander stehen. Wenn ein Windrad zur ökologischen Stromerzeugung aufgestellt wird, ist das für die Tiere und Pflanzen an dem Standort vielleicht sogar schädlich.

Greenpeace_Leipzig_2

© Greenpeace Leipzig

Zudem ist Greenpeace im Gegensatz zum BUND internationaler. Dies ist eines von Greenpeace‘ drei Arbeitsprinzipien – bitte nur Themen und Kampagnen, die möglichst alle Menschen betreffen. Die anderen beiden Prinzipien lauten: gewaltfrei und unabhängig. Das erzählt Stefan, Gruppenkoordinator der Greenpeace-Gruppe in Leipzig jeden Monat beim Kennlernabend. Das Hauptquartier der Gruppe ist ein winziges Büro mit grünem Plüschteppich, Klappstühlen, die Wände voll mit Notizen und kleinen Regalen mit Ordnern und Kartons. Sehr einfach, sehr authentisch.

Beim Kennlernabend gibt es Infos über die Greenpeace-Strukturen und wie man sich vor Ort und weltweit einbringen kann. Wenn man krass drauf ist, kann man sich zum Beispiel als Aktivist engagieren. Greenpeace-Aktivisten bekommen spezielle Trainings, um dann an Gebäuden hochklettern zu können und Banner aufzuhängen. Oder sie fahren Schlauchboot. Zu den Trainings, dem Aktivist-Werden und deren Strategien soll aber nicht zu viel öffentlich gemacht werden, online findet man kaum etwas darüber. Einzig und allein gibt es ein Greenpeace-Video über das (echt harte) Schlauchboot-Training.

Die Aktivisten machen das aus Überzeugung und auf eigenes Risiko, nicht hauptamtlich, sondern dafür müssen sie Urlaub nehmen. Falls es nach Protestaktionen doch einmal eine Klage gegen einen Aktivisten geben sollte, gibt es einen Rechtshilfefonds, der den Betroffenen bei Gerichtsverfahren unterstützt. Dieser Fonds finanziert sich durch Privatspenden. So wie die ganze Arbeit von Greenpeace: Die Umweltorganisation will unabhängig von Politik, Staat und Wirtschaft sein und nimmt deshalb nur Privatspenden entgegen.

Greenpeace_Leipzig_1

© Susanne Triesch/Greenpeace Leipzig

Wer sich nicht zum Aktivisten berufen fühlt, kann sich einer Ortsgruppe anschließen. Die Leipziger Greenpeace-Gruppe organisiert u.a. gemeinsame Fahrten zu Demonstrationen und beteiligt sich an deutschlandweiten Aktionstagen (z. B. die Make Something Week oder den Park(ing) Day). Außerdem veranstaltet sie zusammen mit anderen Initiativen die Fashion Revolution Week im Frühjahr und macht mit Informations- und Aktionsständen in der Innenstadt auf Themen wie Mikroplastik, ökologische Weihnachten und Gemeinwohlökonomie aufmerksam.

Trotz den guten Absichten schlägt Greenpeace manchmal auch mit provozierenden und grenzwertigen Aktionen ein. Im vergangenen Sommer verteilten Greenpeace-Aktivisten gelbe Farbe um die Berliner Siegessäule, um mit dieser großen Sonne, die durch die fahrenden Autos entstand, gegen Braunkohleförderung zu protestieren. War für Auto- und Fahrradfahrer aber gefährlich.

Beim Greenpeace-Kennlernabend macht Stefan abschließend noch Vorschläge was man sonst noch tun kann, wenn man keine Zeit hat sich bei Greenpeace zu engagieren. Zum Beispiel zu einer nachhaltigen Bank wechseln, Ökostrom beziehen oder auf einen „sauberen“ Emailanbieter umsatteln. Ich bin jedenfalls zufrieden mit meinem Wechsel vom BUND zu Greenpeace. Sonst hätte ich nicht erfahren, dass Amazon täglich neuwertige, zurückgesendete Ware im Wert von mehreren Tausend Euro zerstört. Shame on Amazon!!

Standort und Träger: Greenpeace Leipzig: Haus der Demokratie in Connewitz, Greenpeace e. V.: Hamburg, Greenpeace International: Amsterdam

Zielgruppen: Verbraucher und Menschen, die bewusst ihre Umwelt gestalten wollen oder sollten

Mitarbeiter: in Leipzig ganz ungefähr und grob 25 Ehrenamtliche, deutschlandweit knapp 250 Hauptamtliche

Finanzierung: Privatspenden, Erbschaften, Bußgelder

Homepage: https://www.leipzig.greenpeace.de/

Ähnliche Institutionen: Deutsche Umwelthilfe e.V., Robin Wood e.V.

P1090444

Man kann auch ekligen Müll am See eintüten…

P1090462

… oder dem Gemeindeamt illegalen Sperrmüll am Stadtrand melden.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s